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Storys, die man nicht übersieht.

Der Geschäftsalltag des Alltags wird zunehmend internationaler

Wirtschaft · 3 Min.

Der Mittelstand baut neue Brücken in die Welt

Neue Märkte, breitere Lieferketten, weniger Abhängigkeiten: Deutschlands Mittelständler reagieren auf die geopolitische Zeitenwende mit einer strategischen Neuaufstellung. Gerade darin zeigt sich eine Stärke, die in der aktuellen Debatte über den Wirtschaftsstandort Deutschland leicht übersehen wird.

Von UNSEEN Redaktion

Die deutsche Wirtschaft steckt in einer schwierigen Phase. Hohe Energie- und Materialkosten, eine schwache Binnenkonjunktur und geopolitische Unsicherheit setzen insbesondere mittelständische Unternehmen unter Druck. Doch gleichzeitig verändert sich der Mittelstand – und zwar nicht nur defensiv.

Viele Unternehmen beginnen, ihre Geschäftsmodelle breiter aufzustellen. Eine repräsentative Sonderumfrage der DZ BANK unter mehr als 1.000 Inhabern und Geschäftsführern mittelständischer Unternehmen zeigt, wie weit dieser Wandel bereits reicht. 41 Prozent der Befragten wollen Beschaffung und Absatz künftig stärker auf unterschiedliche Märkte verteilen. Zugleich planen 51 Prozent, ihren Einkauf und 53 Prozent ihren Absatz stärker auf den Heimatmarkt zu konzentrieren.

Das klingt zunächst nach Rückzug. Tatsächlich handelt es sich eher um eine Neuordnung der Internationalisierung. Die Unternehmen wollen Abhängigkeiten reduzieren, ohne auf internationale Geschäfte zu verzichten. Ein Viertel der Befragten plant sogar ausdrücklich eine globalere Einkaufs- und Verkaufsstrategie.

Besonders interessant ist der Blick auf die künftigen Auslandsmärkte. Für die kommenden fünf Jahre stehen europäische Länder bei den Mittelständlern weit oben auf der Agenda. Jeweils rund 22 Prozent der Befragten wollen ihre Geschäftsbeziehungen nach West- sowie nach Mittel- und Osteuropa ausbauen. Auch Indien gewinnt an Bedeutung.

Der Mittelstand sucht damit nicht weniger Internationalität, sondern eine andere Form davon: breiter verteilt und weniger abhängig von einzelnen großen Märkten. Die USA und China, die für deutsche Unternehmen lange eine herausragende Rolle spielten, werden in den Expansionsplänen zurückhaltender bewertet.

Diese Entwicklung ist wirtschaftlich bedeutsam. Denn Diversifizierung kann Unternehmen widerstandsfähiger machen, wenn einzelne Lieferanten, Länder oder Absatzmärkte ausfallen. Ein Unternehmen, das seine Beschaffung auf mehrere Regionen verteilt und gleichzeitig neue Kundengruppen erschließt, kann auf geopolitische Veränderungen flexibler reagieren.

Zahlen des Wirtschaftsministeriums beschreiben genau diese Entwicklung als Bestandteil wirtschaftlicher Resilienz. In einem Beitrag zur geplanten Nationalen Wirtschaftssicherheitsstrategie heißt es, 81 Prozent der Unternehmen diversifizierten aktiv ihre Bezugsquellen, um kritische Länder- oder Lieferantenabhängigkeiten zu verringern. 69 Prozent erschließen zusätzliche Absatzmärkte, um Abhängigkeiten auf der Kundenseite zu vermeiden.

Die USA verschwinden zunehmend als verlässlicher Partner
Die USA verschwinden zunehmend als verlässlicher Partner

Resilienz darf nicht mit einer Abkehr von offenen Märkten gleichzusetzen sein. Im Gegenteil: Neue Handelsabkommen und internationale Partnerschaften sollen Unternehmen Zugang zu zusätzlichen Märkten ermöglichen.

Damit zeichnet sich ein neues Muster ab. Die Globalisierung des deutschen Mittelstands verschwindet nicht – sie wird robuster. Aus der früheren Konzentration auf besonders wichtige Einzelmärkte wird zunehmend ein Netzwerk verschiedener Absatz- und Beschaffungsregionen.

Das zeigt sich auch in den aktuellen Daten zum Auslandsgeschäft. Laut der Mittelstandsumfrage von DZ BANK und dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken sind inzwischen knapp 54 Prozent der befragten Mittelständler im Ausland aktiv. Ganze zehn Prozentpunkte mehr als im Frühjahr 2024.

Besonders bemerkenswert: Während die Investitionsbereitschaft im Inland auf ein Allzeittief gefallen ist, suchen Unternehmen zunehmend Wachstumsmöglichkeiten jenseits des deutschen Marktes.

Das ist kein Grund für Euphorie. Die gleichen Zahlen zeigen, wie angespannt die Situation bleibt: Nur 52 Prozent der Unternehmen wollen in den kommenden sechs Monaten investieren, die Kosten für Energie sowie Rohstoffe und Materialien sind für viele Betriebe eine erhebliche Belastung. Die strategische Anpassungsfähigkeit des Mittelstands darf deshalb nicht mit einem allgemeinen konjunkturellen Aufschwung verwechselt werden.

Doch gerade unter schwierigen Bedingungen wird eine Stärke sichtbar: Mittelständler reagieren auf die veränderte Weltwirtschaft nicht ausschließlich mit Rückzug und Kostensenkungen. Sie suchen neue Märkte, ordnen Lieferketten neu und versuchen, wirtschaftliche Abhängigkeiten zu verringern.

Der deutsche Mittelstand wird damit international nicht kleiner, sondern differenzierter. Seine Zukunft liegt möglicherweise weniger in der Rückkehr zu den vermeintlich einfachen Zeiten der Globalisierung als in einem Geschäftsmodell, das mehrere Standbeine miteinander verbindet: einen starken Heimatmarkt, internationale Absatzchancen und Lieferketten, die nicht an einzelnen Ländern hängen.

Die neue Stärke des Mittelstands könnte deshalb gerade in seiner Fähigkeit liegen, aus der veränderten Weltwirtschaft neue Spielräume zu schaffen.

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